bahura alicke

holywalks

LEICHT, LIEBEVOLL UND KRAFTVOLL ZU FUSS UNTERWEGS SEIN

ein Erfahrungsbericht

Juni 2017

Ich war schon immer gerne draussen unterwegs. Aber für meinen Körper waren Wanderungen eine Tortur. Früher. Obwohl ich durchaus genug Kraft hatte, war längeres Laufen überhaupt nicht wohltuend. Das war schon in meiner Jugend so. Mit den Jahren wurden die Signale meines Körpers deutlicher. Ich bekam heiße oder eiskalte Krämpfe im Vorderfuß, konnte kaum mal drei Kilometer spazieren gehen, ohne dass ich völlig durcheinander war, danach. Das im Moment wundervolle Naturerlebnis hatte immer einen sehr bitteren Nachgeschmack - tagelange Erschöpfung. Damals ging ich spazieren oder Wandern nur in Schuhen oder Sandalen, nie barfuß.
Das war mein Status Quo als mir das erste Mal Barfußschuhe begegneten. Ich hatte irgendwo einen Flyer von voycontigo gefunden und diese komischen froschigen Zehenschuhe darin, machten mich neugierig.
Da kam im Sommer 2010, die Ferien standen gerade vor der Tür, eine Freundin vorbei, stand in ihren Zeheschuhen vor mir und berichtete auf meine Frage hin begeistert, dass sie die nun habe, weil ihr Mutter sie darauf gebracht habe. Ihre Mutter, 70, hatte gerade eine Woche in der Klinik für Biokinematik verbracht, wegen ihrer restless legs. Es ging ihr deutlcih besser und sie machte jeden Tag barfiuss - training.
Ok. Das war Respekt einflössend. Ich war schon in den Vorbereitungen für unsere Radreise begriffen, da kam mir die Vorstellung, ein paar Kunststoffschuhe zu kaufen und mitzunehmen, denen kein Regen was ausmacht, gerade recht.

Mein erstes Paar

Barfussschuhe hatte ich dann bald an den Füssen. Modell Sprint (gibt es leider nicht mehr) von Five Fingers. Es war ein völlig neues Gefühl, so gut geschütz und doch ganz fein die Erde zu berühren, zu fühlen, zu tasten, zu spüren, wie der Kontakt ist, zwischen mir und dem Boden. Ich mochte das sofort und nahm trotzdem die Warnung ernst, sie am Anfang nur stundenweise zu tragen, denn ich spürte auch viele kleine Muskeln, wie sie aufwachten, "ah, hallo, euch gibt es auch in meinem Körper", es begann etwas Neues.
Gleichzeitig erinnerte ich mich innerlich an etwas sehr Altes. Wie die Menschen als Nomaden über die Erde gewandert waren. Den Kraftlinien in der Erde folgend. Dem inneren Navi, den Sternen. Im Rhythmus, in Verbundenheit. Diese Massage der Füße auf dem Erdboden, dieser Trommelschlag der Schritte war in mir wie er schon seit Ewigkeiten gewesen war. Jeder Schritt Schöpfung.

Heilige Wege - Holy Walks

So begann eine Sommereise, die am Ende einen ganzen Monat und 1000km auf dem Rad umfassen sollte. Da der zweite Tag gleich morgentlichen Regen im Angebot hatte, brauchten meine Zehenschuhe auch nicht lange auf ihren Einsatz warten. Und auch als die Wolken sich verzogen hatten, ließ ich sie an meinen Füßen, denn die Füße fanden das gut, immer so ein bisschen in Gespräch zu sein, mit der Schaltzentrale in meinem Kopf, anstatt einfach nur wie ein Brett stundenlang die Pedale nach unten zu drücken.
Es war ein Sommer mit viel Wasser, Hochwasser, das uns zum Ändern unserer Wege zwang. Einmal, ich war schon allein mit meinen beiden Kindern unterwegs, nachdem mein Mann wieder seinem Beruf nachging, kamen wir an eine Wegestelle die einen halben Meter unter Wasser stand. Ich trug jeden und jedes Rad einzeln hinüber, wir ereichten die Jugendherberge mit dickem Matsch an den Füßen und Rädern. Es gab mir soviel Sicherheit, diese Schuhe zu haben, denen nichts was anhaben konnte. Wir wuschen alles sauber, wickelten sie in ein trockenes Handtuch, und nach der Nacht waren sie wieder einsatzfähig, am nächsten Morgen.

Diese Schuhe sind für mich da

Es berührt mich gerade, während ich das schreibe.
Sie sind sowas wie der beste Freund oder mein Schutzengel. Sie gehen mit mir durch dick und dünn.
Was haben wir für komische Geschichten mit Schuhen (oder auch Kleidung) als Kinder, als Mädchen. "Du darst sie nicht dreckig machen, nimm dich in Acht, sie sind so schön, so wertvoll,.."  Eine Haltung, die mir suggeriert, dass ich für die Dinge da bin, anstatt die Dinge für mich.
Ja, neue Schuhe setzen viel in Bewegung, insbesondere im Gehirn.
Die Zehenschuhe sind da besonders, denn die Zehenspitzen können einen leichten Kontakt zum Material haben, da ja der Schub vom Gehen bereits zwischen den Zehen abgetragen wird und so kein Druck vorne entstehen kann. Der Schuh fühlt sich an, als würde ich eine leichte Kapuze tragen - die Zehenspitzen bilden die Resonanzstellen zum Gehirn/ Schädeldecke - ich fühle mich geborgen eingehüllt.

Mein Körper ist konsequent

Einmal erfahren, was geht, waren meine Füße dann nicht mehr bereit, schlechtere Möglichkeiten mit sich rum zu tragen. Also wuchs mein Repertoire bald auf zwei, drei, im nächsten Frühjahr vier Paar Zehenschuhe. Im Winter 2012 kam das erste Modell wasserdicht heraus, so wurde die Saison länger. Seit 2014 gibt es gefütterte Modelle für den Winter, seit dem trage ich ganzjähig Zehenschuhe - ausser, was noch besser ist, ich laufe im Sommer barfuss.
Und mein Körper ist lernbegierig.
Nachdem ich so beweglich geworden bin, wie ich in diesem Leben zuvor niemals war eröffnet sich mir Anfang 2017 eine neue Dimension.

Der Vorderfußlauf

Ich hatte die ganzen Jahre über beibehalten, zuerst mit der Ferse aufzutreten.
Aber es geht noch leichter, weicher und schonender für den Organismus. Und in diese Möglichkeit hinein wollte mein Körper sich entwickeln. Das fühlt sich allerdings an, wie alles andersherum machen. Es braucht Zeit und Unterstützung, bei mir ein halbes Jahr, bis ich mich damit wieder "normal" gefühlt habe.
Es ist das Ende des Marschierens. Oder des irgendwie gedankenlos Herumstolperns.
Mit dem Vorderfuß setzt das reine Bewusstsein auf, die Liebe und Hingabe zur Erde.
Anders geht es nicht. Und das ist gut. 

Ich tanze

mein Leben. Nicht mehr und nicht weniger.
Und am liebesten dort, wo die Kraft rein und klar fließt, in Stadt und Landschaft.
Wie hier, auf einem Stück, wo der Bettlerpfad (im Hexental bei Freiburg) einfach mitten durch eine Wiese genau auf einem Pfad der Kraft verläuft. Gehen fühlt sich an wie Fliegen, einfach nur getragen sein.
Danke.

bahura alicke 

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